Naturtagebuch

Inhalt
18. Mai 2006: Smaragdeidechse, Aspisviper & Co., Gordevio TI
07. Mai 2006: Wenn Kreuzotternmännchen kämpfen, Wildhaus SG


18. Mai 2006: Mit der Klasse im Tessin Klasse unterwegs - 4 Schlangen, 4 verschiedene Arten

Mit meiner Sekundarschulklasse - mit 22 Schülerinnen und Schülern - verbrachte ich drei Tage in der Umgebung von Gordevio im Tessin. Das Zelten, das Baden in der Maggia und das Nachtleben in der Natur, all das gefiel den jungen Leuten sehr. Ich wollte aber auch, dass sie noch ein bisschen mehr von dem mitkriegen würden, was die Südseite der Alpen so zu bieten hat. Also mussten alle mit auf eine kurze Exkursion.

An einer geeigneten Stelle liess ich die Schülerinnen und Schüler ausschwärmen, mit dem Auftrag nach Tieren und Pflanzen Ausschau zu halten. Auf einem anschliessenden Rundgang mit der Klasse sollten sie das Beobachtete dann der ganzen Klasse zeigen.

Schon bald sichteten wir die ersten Smaragdeidechsen (Lacerta bilineata). An einer Stelle gelang es mir, ein Pärchen dieser eindrücklichen Echsenart zu fotografieren.

 

 

Plötzlich hörte ich Schüler rufen: "Eine Schlange! Kommen Sie schnell!" Ich rannte zu der Stelle, zu der mich die Schüler hinlotsten. Martina zeigte auf einen grösseren Stein, unter diesem sei die schwarze, recht grosse Schlange verschwunden. Ich dachte bei dieser Beschreibung an eine Zorrnnatter, doch als ich den Stein umdrehte, staunte ich nicht schlecht: Eine weibliche Aspisviper (Vipera aspis) kam zum Vorschein!

 

 

Kaum war die Aspisviper vorgeführt und fotografiert, meldeten zwei Knaben schon wieder eine Schlange. Schnell packte ich meine Sachen zusammen und rannte zum neuen Fundort. Florians Beschreibung liess auch diesmal auf eine Zornnatter schliessen, und diesmal war's auch eine.

 

 

Nach eineinhalb Stunden beendete ich die Exkursion und entliess die Klasse, welche sich zurück zum Zeltplatz begab. Die Verhältnisse waren aber so gut, dass ich die Gegend allein nochmals nach Reptilien absuchte. Die Aspisviper lag wieder halb an der Sonne, Smaragdeidechsen und vor allem Mauereidechsen (Podarcis muralis) waren da und dort zu sehen. Schliesslich entdeckte ich auf eine Distanz von 10 m eine grosse schwarze Schlange, welche aus den Steinen heraus die Umgebung beobachtete. Wieder eine Zornnatter?

 

 

Nach den ersten beiden Bildern aus der Distanz war sie plötzlich weg. Als ich nachschaute, war die Schlange nirgends zu sehen, aber schon als ich den ersten Stein umdrehte, hatte ich Glück. Aber was war das? Schwarz war sie, gross und lang! Ich packte die Schlange, kontrollierte um mir ganz sicher zu sein noch die Bauchseite und tatsächlich - ich hatte eine grosses schwarzes Ringelnatterweibchen erwischt! Das war mir bis dahin noch nie gelungen und entsprechend freute ich mich natürlich.

 

 

 

 

 

Nachdem ich die Ringelnatter wieder freigelassen hatte, kam ich keine 20 m weiter, als ich schon die nächste Schlange entdeckte, welche in ihrem halb verdeckten Sonnenplatz kaum zu erkennen war:

 

 

 

Und, haben Sie die Schlange erkannt? Es handelt sich um die Schlangenart, welche ich im unteren Maggiatal bisher am häufigsten beobachtet habe, um die Würfelnatter (Natrix tessellata). Dieses Weibchen ist deutlich braun gefärbt, während ich andrerseits vom untersten Puschlav in Graubünden grau gefärbte Tiere kenne:

 

 

Auf dem Weg zurück zum Zeltplatz und zu meiner Klasse habe ich mich an den Schneeschuhspaziergang zu den Davoser Kreuzottern erinnert, aber auch an den Kommentkampf der St. Galler Kreuzottermännchen. Nach diesen tollen Tessiner Beobachtungen von diesem Vormittag fragte ich mich, ob mir das Beobachterglück in diesem Jahr wohl weiterhin treu bleiben würde. Ich hätte gar nichts dagegen!

Datum Ort m  ü. M. Zeit
18.05. 2006 Zwischen Gordevio und Avegno TI 280 - 290 div.
 Ergänzung, Frage? Hier!

 

7. Mai 2006: Darauf haben wir lange gewartet!

Obwohl der Kanton Graubünden sehr gross ist und an vielen Orten über 1000 m die Kreuzotter (Vipera berus) beobachtet werden kann, ging ich an diesem Sonntag sozusagen fremd. Es war aber auch an der Zeit, dass ich mich endlich einmal mit Jürgen Kühnis im Feld traf. Wir beschäftigen uns beide schon seit vielen Jahren sehr intensiv mit Reptilien, er vor allem im Kanton St.Gallen und im Fürstentum Liechtenstein, ich in Graubünden.

In der Umgebung von Wildhaus SG machten wir uns zusammen auf den Weg und Jürgen stöberte schon sehr bald dieses frisch gehäutete Weibchen auf.

 

 

Und hier ein Beispiel, wie die Kreuzotternlebensräume in dieser Gegend aussehen:

 

 

Allerdings ist die Kreuzotter hier nicht das häufigste Reptil. Wir haben viel öfter die Bergeidechse (Zootoca vivipara) feststellen können:

 

 

Am Nachmittag waren wir in einem zweiten Gebiet in der Gegend unterwegs und wie beiläufig fragte mich Jürgen Kühnis, ob ich schon einmal einen Kommentkampf zwischen Kreuzottermännchen hätte beobachten können. Nein, dieses Glück hatte ich bis dahin noch nie gehabt, Jürgen auch nicht. Aber eine halbe Stunde später entdeckten wir an einer Stelle mit dürrem Altgras in einer Geröllhalte zwei kämpfende Männchen!

 

 

Blitzschnell hatten wir unsere Kameras in der Hand, noch schneller aber liessen die beiden Männchen voneinander ab. Wir sahen, wie sich ein Weibchen verkroch, dann tauchte mal ein Männchen mal da, mal dort auf. Wir zählten fünf Männchen! Das Weibchen war aber weg und der aufgekommene Wind schien den Männchen die Orientierung zu erschweren.

Wir verliessen den Platz, kehrten aber nach einer halben Stunde wieder dorthin zurück. Es war nur noch ein einziges Männchen zu sehen, dass sehr lebhaft nach dem Weibchen suchte. Erfolglos. Schliesslich gaben wir auf, Jürgen war schon auf dem angrenzenden Schneefeld auf dem Rückweg und ich wollte nur noch die Stelle fotografieren, wo wir die vielen Männchen beobachtet hatten. Als ich die Kamera zur Hand nahm - da waren sie plötzlich wieder da: Zwei Männchen kämpften miteinander!

 

 

Ich pfiff und winkte Jürgen zurück und wir waren beide überwältigt, was für ein Schauspiel sich uns da bot.

 

 

Wir fotografierten, schauten und fotografierten wieder. Und immer wieder vernahm ich Jürgens Kommentar: "Ich glaube es nicht, ich fasse es nicht!"

 

 

Ich bin schon oft aufgestellt und zufrieden von einer Reptiliensuchtour nach Hause zurückgekehrt. Dieses Erlebnis mit den kämpfenden Kreuzottermännchen zähle ich aber zu den ganz grossen Höhepunkten! Schön war's auch, dass ich dieses Ereignis mit einem anderen Schlangenfachmann zusammen erleben und mit einem kühlen Bier im Bergrestaurant entsprechend feiern konnte!

Am Ende dieses tollen Feldtages habe ich Jürgen Kühnis zu einem Gegenbesuch in den  Kanton Graubünden eingeladen. Auf diesen Tag freue ich mich. Mein Problem ist nur, dass mit der Bilanz unseres gemeinsamen Tages in seinem Kanton die Messlatte nun sehr hoch liegt...

Datum Ort m  ü. M. Zeit
7.05. 2006 Umgebung von Wildhaus 1100-1400 div.
 Ergänzung, Frage? Hier!

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Start:
14. Februar 2000